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| Sonntag,3.
Dezember, 11.00 und 20 Uhr |
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Kinowerkstatt St. Ingbert zeigt im Rahmen des
Begleitprogramms zur aktuellen Ausstellung des
Museums Sankt Ingbert Käthe Kollwitz.
Radierungen, Lithographien, Holzschnitte
den Film "Mutter Krausens Fahrt ins
Glück" als Stummfilm mit Live -
Klavierbegleitung, am Klavier: Helmut Bieg. |
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In einer düsteren
Straße des Berliner Nordens wohnt die Witwe
Krause mit ihrem Sohn und ihrer Tochter. Die drei
erwachsenen Menschen wohnen in einer kleinen Küche.
Das einzige Zimmer ist abvermietet an einen
Schlafburschen und dessen Freundin, eine
Straßendirne. Die Tochter der Frau Krause lernt
einen jungen Arbeiter kennen und verliebt sich in
ihn. Und während sie draußen in Tegel mit ihm
einen glücklichen Sonntag verlebt, vergreift
sich ihr Bruder an dem kassierten Zeitungsgeld,
das die Mutter einen Tag später abliefern muß.
Vergeblich versucht sie, das fehlende Geld
aufzutreiben; auch ihr Bitten um Nachsicht bleibt
unerhört, die Spedition der Zeitung erstattet
Strafanzeige. Mutter Krause sieht keinen Ausweg,
und als auch noch ihr Junge wegen versuchten
Einbruchs verhaftet wird, nimmt sie sich das
Leben. Das Kind des Straßenmädchens nimmt sie
mit "ins Glück". (Die Filmwoche, Nr.
50, 11.12.1999)
Dieser Film ist manchmal grandios: wenn Alexandra
Schmitt spielt; wenn die Kamera die Höfe am
Wedding abtastet, von unten nach oben, im Kreise,
die schalen Riesenwände empor, die Rinnen
entlang, Über dunkle Fenster weg, die wie Augenlöcher
aus einem Totenkopf stieren; und wenn die Kamera
furios wird und sich im Kreise dreht, auf dem
Rummelplatz, auf der amerikanischen Schaukel
schwingt, auf und nieder, Karussell. [...]
(Leo Hirsch in: Berliner Tageblatt, Nr. 4,
3.1.1930)
Mutter Krausens Fahrt ins Glück: keines jener
Erzeugnisse, in denen Zille-Motive zu kitschigen
Zwecken mißbraucht worden sind, sondern ein anständiger,
sauberer Film, der dem Namen des toten Meisters
(Heinrich Zille, Maler, S.K.) und auch dem von Käthe
Kollwitz alle Ehre macht. [...] Frei von
Sentimentalität schildert er das Wohnungselend
in Berliner Proletariervierteln und seine Folgen,
Zustände also die anzuschauen not tut. [...]
Aber er (Piel Jutzi, S.K.) hat doch nicht wie
andere den Russen nur die Äußerklichkeiten
abgeguckt, sondern wirklich von ihnen gelernt.
Seine Straßen-, Häuser- und Hofaufnahmen sind
großartig, seine Übergänge sachlich
begründet. [...]
(Siegfried Kracauer: Wedding im Film. In.
Frankfurter Zeitung, Nr. 74, 28.1.1930)
Der bisher beste deutsche Film des Jahres: Mutter
Krausens Fahrt ins Glück ist nach einem
hinterlassenen Filmmanuskript von Heinrich Zille,
bearbeitet von seinem Freund Otto Nagel, einem
echten Proletarier vom Wedding. Nagel sucht mit
seinem Regisseur Piel Jutzi seine Schauspieler
nicht unter den Primadonnen und Prominenten aus,
sondern holte sich unbekannte und erwerbslose
Darsteller heran. Wie es Zilles Art entsprach,
spielt dieser Film im ärmsten proletarischen
Milieu, hart an den Rändern des Absturzes in den
Sumpf, zeichnet die Hauptpersonen in ihrer
kleinbürgerlichen Befangenheit, bald bedenkenlos
lustig, bald resignierend, und stellt ihnen in
einem organisierten Arbeiter den Ausweg durch den
Klassenkampf gegenüber. [...]
(Fritz Schiff in: Der Klassenkampf, Nr. 3,
1.2.1930) |
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